Social Gaming - Zukunft der Spieleindustrie oder Modeerscheinung?

Social Games wie Zyngas Farmville, woogas Bubble Island oder seit neuestem Big Fishs Treasure Island ziehen Spieler derzeit so stark an, wie es sich die Industrie im Retailmarkt nur wünschen kann. Mehrere Millionen aktive Spieler zählen viele der Social Games. Der Trend scheint also in diese Richtung zu gehen. Selbst Brachengrößen wie Trip Hawkings schätzen, dass der Markt einen Wert von $100 Milliarden dieses Jahrzehnt erreichen könnte. Playdoms CEO John Pleasants ist der Meinung, der Markt wächst auf über $5 Milliarden in den nächsten drei Jahren. Doch ist dies nur eine Modeerscheinung oder hat der Markt tatsächlich eine große Zukunft?

Richard Garriott, Gründer des Social Games-Unternehmens Portalarium und bekannt durch so erfolgreiche Spielserien der 80er- und 90er-Jahre wie Ultima und Wing Commander, glaubt sogar, dass Social Gaming eine ähnliche Zukunft hat, wie seinerzeit die Online-Rollenspiele. Will Wright, bekannt durch die Sims-Spielereihe und Spore jedoch sieht dies etwas anders. Seiner Meinung nach werden sich Social Games zwar etablieren, aber “nicht die Welt übernehmen”. Wie mit jeder neuen Plattform oder Nische gäbe es auch im Bereich Social Gaming einen Boom, um diese Lücke zu füllen. In etwa einem Jahr rechnet er jedoch damit, dass man den Zenit der Branche erleben wird. Als Beispiel nimmt er - natürlich - seine Serie Die Sims, die bei Erscheinen im Jahr 2000 ebenfalls eine Art Vakuum ausgefüllt hat und enorm erfolgreich war (über 100 Millionen verkaufte Exemplare). Doch irgendwann kamen neue Genres, welche die Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Und so würde es auch den Social Games irgendwann ergehen.

Auf der Inside Social Apps 2010, die am 20. April in San Francisco stattfand, drehte sich ebenfalls viel um das Thema Social Games. Man zeigte sich überrascht vom enormen Erfolg, machte aber auch klar, dass es neue Unternehmen in der Branche immer schwerer haben werden. Shervin Pishevar, Vorsitzender von SGN ist der Meinung, dass die Zukunft von Social Games nicht im Bereich Sozialer Netzwerke wie Facebook, sondern im Mobile-Markt liegt. Bereits in drei bis fünf Jahren soll man dies erkennen können. Doug Bewsher, CMO von mig33 dagegen ist überzeugt davon, dass es mehrere parallele Plattformen geben wird, auch Abhängig von der Verbreitung von Handys in den verschiedenen Ländern. Auch Marc Pincus, CEO von Zynga sprach auf der Inside Social Apps unter anderem über seine Vorstellung eines idealen Social Games, das im Gegensatz zu derzeitigen MMOs und Konsolenspielen von Spielern nie beendet oder verlassen wird. Dazu sollen entscheidend die Verbindung mit Freunden, interessante neue Features, eine stetige Weiterentwicklung, der Spaß an der Sache und der Ausbau der virtuellen Güter beitragen. Playfishs COO Sebastien de Halleux sprach sich auf der Inside Social Apps auch für eine Zusammenführung der sozialen Komponenten mit traditionellen Spielen aus und sieht darin die Zukunft. Er ist weiterhin der Meinung, dass in etwa zwei Jahren die großen Facebook-Spiele als bekannte Marken gelten und dass es kleinere Start-up-Unternehmen in der Branche zunehmend schwerer haben werden.

Unbestritten ist, dass Social Games auch eine neue Zielgruppe der Spieler erschlossen haben und die Befriedigung des Spieltriebs auf andere Weise hervorrufen als etwa 3D-Shooter oder MMORPGs. Kurze Spiele mit schnellen Erfolgserlebnissen oder Games, die man über einen längeren Zeitraum nebenher spielen kann, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen, treffen den Zeitgeist. Daher ist es nur verständlich, dass viele Firmen ein Stück des Kuchens abhaben und das schnelle Geld mit Spielen machen wollen, deren Qualität evtl. zu wünschen übrig lässt. Minderwertige Spiele jedoch können sich auch auf den Gesamtmarkt auswirken und das Interesse wieder senken. Doch auch bei wirklich guten Titeln ist irgendwann die Luft raus, was die Unternehmen dazu anspornen muss, stets neue Ideen und qualitativ hochwertige Produkte auf den Markt zu bringen.

Fakt ist weiterhin, Social Games sind derzeit sehr beliebt und füllen - wie Will Wright anmerkte - eine Marktlücke. Ob sie jedoch nur eine Modeerscheinung sind, liegt auch bei den Unternehmen, die sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen. Daher ist auch eine Verschmelzung von Social Games und “Standard-Spielen” etwas, was die Zukunft in der Branche sicher bringen wird.

Einen Kommentar schreiben: