Interview mit Sven Ivo Brinck von Tipp24
Die Tipp24 Entertainment GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Tipp 24 SE und betreibt die Skillgames-Website Tipp24games. Eine Konstellation, die offenbar einige Vorteile zu bringen scheint. GameBizz hat mit Geschäftsführer Sven Ivo Brinck ein Interview geführt, in dem er mit uns über die Vor- und Nachteile einer Tochtergesellschaft, Beispiele ähnlicher Unternehmensstrukturen und die Sichtweise des Mutterkonzerns auf das “Projekt” Tochtergesellschaft im Skillgames-Bereich sprach.
GameBizz: Welche Vorteile ergeben sich im Gamesbereich, wenn ein Unternehmen etwa finanzielle oder netzwerktechnische Unterstützung eines großen Konzerns erhält?
Sven Ivo Brinck: Eine pauschale Beurteilung können wir hier nicht vornehmen.
Auf Tipp24games bezogen, sind die Vorteile sehr vielfältig. Jeder, der die Quartalsberichte der Muttergesellschaft Tipp24 SE verfolgt, wird zunächst an den guten finanziellen Background denken, von dem wir als Tochtergesellschaft profitieren. In der Tat ist es ein sehr großer Vorteil, einen zuverlässigen und beständigen Partner zu haben, der die Finanzierung stellt: Wir können auf einer ökonomisch gesicherten Grundlage arbeiten und müssen uns nicht mit der Frage auseinandersetzen, was zum Beispiel in drei Monaten passieren könnte oder für den Fall, dass der Kapitalgeber spontan seine Strategie oder Meinung ändern sollte.
Ein weiterer Vorteil ist, dass wir im täglichen Geschäft eine Vielzahl von sogenannten „shared services“ nutzen, beispielsweise das Controlling der Tipp SE. Als Start-up-Unternehmen könnten wir uns vermutlich kein vergleichbares Controlling leisten und würden diese Aufgabe selbst wahrnehmen müssen, ohne auf das große Know-how der SE zurückgreifen zu können. Solche Leistungen werden gemäß der Gesetzgebung in einem Unternehmen zu marktüblichen Konditionen verrechnet, stellen aber dennoch einen großen Vorteil gegenüber dem Einkauf im freien Markt dar. Bei Tipp24games können wir einerseits alle Vorteile eines starken Controllings nutzen und uns andererseits auf die operativen und strategischen Aufgaben unseres Geschäftsfeldes konzentrieren.
Am wichtigsten finde ich, dass wir auf die Erfahrung zurückgreifen können, die Tipp24 bis Ende 2008 im B2C (Business to Consumer)-Vertrieb in Deutschland gesammelt hat. Tipp24 ist mit ihrem ursprünglichen Geschäftsmodell im deutschen Markt vom Start-up- zum mittelständischen Unternehmen mit mehreren hundert Millionen Euro Transaktionsvolumen pro Jahr gewachsen. Problemstellungen, die wir aktuell bei Tipp24games haben, sind in der Regel so oder so ähnlich bereits früher aufgetaucht und der Unternehmensleitung bekannt, mit der ich mich regelmäßig austausche.
GameBizz: Was sind dazu im Vergleich die großen Nachteile?
Sven Ivo Brinck: Einen direkten Nachteil kann ich hier, ehrlich gesagt, nicht nennen. Es mag Bereiche geben, in denen eine gewisse „Betriebsblindheit“ möglich ist oder schneller denkbar wäre als bei einem vollständig neu gegründeten, eigenständigen Unternehmen. Dies versuchen wir zu vermeiden, indem wir regelmäßig Kundenfeedback einholen und immer wieder neue externe Mitarbeiter engagieren, um frische und kreative Ideen zu bekommen.
GameBizz: Welche Beispiele gibt es in der Games-Branche für derartige Konstruktionen, wie etwa bei Tipp24Games oder Gamesload?
Sven Ivo Brinck: Weltweit betrachtet, sicherlich etliche, und es stellt sich manchmal die Frage, welcher Geschäftsbereich zuerst am Markt war. Insbesondere Electronic Arts ist als Spielekonzern groß geworden und hat heute eine eigene Division (vielleicht ist es gerade auch ein eigenes Unternehmen – da bin ich selber nicht voll im Bilde), die sich nur mit Onlinespielen auseinandersetzt. Ganz frisch ist das Beispiel von Astra, die zum Novomatic Konzern gehören und gerade die Mehrheit an Skill7/Greentube gekauft haben. Novomatic hatte zuvor nur eine Minderheitsbeteiligung und scheint hier den Einstieg im Onlinespielebereich dauerhaft besetzen zu wollen.
Ich persönlich gehe davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren weltweit eine überschaubare Zahl solcher Modelle zum Tragen kommen und dauerhaft Bestand haben wird. Besonders Medien- und Unterhaltungskonzerne werden im Rahmen der Wertschöpfung und Schrumpfung bestehender Produkte (zum Beispiel Fernsehen) neue Themen besetzen bzw. weiter stabilisieren wollen.
GameBizz: Wie werden die Zweige in der Games-Branche von der Muttergesellschaft gesehen? Als reines Tool oder als wertvolle Weiterentwicklung des eigenen Business?
Sven Ivo Brinck: Hier kann ich natürlich nur für Tipp24 sprechen, gehe aber davon aus, dass dies für die Mehrzahl der Unternehmen gilt: Ein Spin-Off oder „Projekt“ wird sicherlich nie nur zum Zweck des Projektes gemacht, sondern um einen Mehrwert für das Unternehmen darzustellen. Diese Wertschöpfung kann natürlich auf verschiedenen Wegen erfolgen. Bei Tipp24 glaubt das Management an Skillgaming als relevanten Markt und daran, das Qualitätsführerschaft ein USP (Unique Selling Point) ist, mit dem sich Märkte dauerhaft erfolgreich besetzen lassen.
Über Sven Ivo Brinck:
Sven Ivo Brinck arbeitet nach einem BWL-Studium seit 1999 in der New Economy. Bereits seit C64 Zeiten verfolgt er die Trends im Games-Bereich und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er ist Allein-Prokurist der Tipp24 Entertainment GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Tipp24 AG. Derzeit werden zwanzig Spiele in unterschiedlichen Genres und Themenwelten angeboten, bei denen der Spieler sein Können in Echtzeit gegen andere messen, um Geld spielen und gewinnen kann. Jeden Monat kommt ein weiterer Titel dazu.
