Interview mit Marius Follert von Farbflut
Mit Pennergame hat der Hamburger Browsergames-Entwickler Farbflut einen großen Erfolg gelandet. Über 3 Millionen Spieler international verdingen sich im Browsergames des Jahres 2008 als virtuelle Obdachlose. Wir haben Geschäftsführer Marius Follert zum Interview gebeten. Zum hochinteressanten Thema, dass Bigpoint seit Mitte Dezember auf dem Social Network Facebook mit Trash Heroes einen Pennergame-Klon im Angebot hat, wollte sich Farbflut allerdings nicht äußern.
GameBizz: Was ist deiner Meinung nach der ausschlaggebende Punkt für den Erfolg von Pennergame, obwohl das Spiel ja ein sozial grenzwertiges Thema mit einem provokanten Titel als Grundlage hat und ehrlich gesagt auch nicht sonderlich attraktiv aussieht mit vielen Tabellen, Texten und Google AdWords- Werbung?
Marius Follert: Ohne Frage hat der provokante Name des Spiels geholfen, in der Öffentlichkeit Beachtung zu finden. Aber der Name ist nur ein kleiner Teil des Erfolges. Viel wichtiger war es, dass es meinem Freund Niels Wildung und mir gelungen ist, das klassische Spielkonzept Aufbauspiel in einen neuen Kontext zu setzen. Durch die gesellschaftspolitische Thematik Armut und Obdachlosigkeit hebt sich Pennergame von der Masse der Spiele ab, die vorwiegend im Mittelalter angesiedelt sind oder die Entdeckung des Weltraums thematisieren. Die zweite Erfolgskomponente von Pennergame ist der starke Community-Charakter. Pennergame ist ein „Social Game“, bei dem die Spieler mit Freunden Banden gründen und gegen andere antreten können. Es ist die Mischung aus ambitioniertem Browserspiel für Zocker und Casual Game für Gelegenheitsspieler plus die Möglichkeit, mit all seinen Freunden zu spielen, was Pennergame so interessant macht. Dadurch hat sich das Spiel auf Schulhöfen, in Universitäten und Büros herumgesprochen und zählt mittlerweile weltweit Millionen Spieler.
GameBizz: Wie stehst du zum Thema Facebook und Social Gaming? Warum ist Pennergame nicht direkt auf Facebook spielbar und fürchtet ihr nicht, dass ihr hier eine große Nutzerbasis eventuell an Konkurrenten verliert?
Marius Follert: Social Gaming ist ein spannender Markt mit großem Potential. Die Bedeutung der sozialen Komponente haben wir schon vor zwei Jahren erkannt, denn Pennergame ist eine Art Social Game, das auf der eigenen Plattform funktioniert. Um auch das erfolgreiche Facebook als Netzwerk zu nutzen und neue Zielgruppen zu erschließen, starten wir zeitnah mit einer Spiel-Applikation.
GameBizz: Aus deiner Sicht: Würde Pennergame jetzt auf Facebook starten, glaubst du, dass die Fanbase gleich mitziehen und das Spiel auch auf dem Social Network erfolgreich sein würde oder wären gewisse Änderungen am Spiel nötig, um es für Spieler auf Facebook attraktiv zu machen?
Marius Follert: Facebook-Games sind von Browsergames deutlich zu unterscheiden. Während browserbasierte Spiele komplex und strategisch aufgebaut sind, sollten Facebook-Applikationen ein simples Gameplay besitzen und wie ein Casual Game funktionieren. Aufgrund der hohen Affinität unserer Spieler zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ sind wir davon überzeugt, dass wir viele Pennergamer auch für unsere zukünftigen Social Games begeistern können.
GameBizz: Ihr expandiert und plant derzeit weitere Spiele, darunter auch Facebook- und Iphone-Games. Die Konkurrenz in diesen Bereichen ist enorm groß. Wie will sich Farbflut hier behaupten? Wie sieht die Finanzierung dieser Expansion aus? Nutzt ihr nur Eigenkapital oder erhaltet ihr Finanzspritzen wie etwa wooga?
Marius Follert: Richtig, wir sind auf Expansionkurs und haben für 2010 einiges geplant. Im letzten Jahr haben wir aufgrund des starken Wachstums die Mitarbeiterzahl vervierfacht und suchen weiterhin junge Talente, besonders Entwickler. Wir wollen uns nach wie vor mit innovativen Produkten am Markt behaupten und sehen der Zukunft sehr positiv entgegen. Operative Unterstützung erhalten wir von unseren Business Angels Sven Schmidt und Daniel Grözinger von der ICS GmbH (verwandt.de, getgo.de, dialo.de). Eine Finanzspritze von einem Investor benötigen wir nicht, sondern sind in der glücklichen Position, uns selbst finanzieren zu können.
GameBizz: Ihr habt bis Mitte 2009 nur mit Werbung monetarisiert und jetzt einen Premium Account eingeführt. Denkt ihr noch über andere Wege nach, eure Zielgruppe zu monetarisieren, etwa Virtual Goods mit Micropayment?
Marius Follert: Aktuell monetarisieren wir über Werbung und Item Sales. Mit dem Verkauf von Zusatzfunktionen haben wir uns ein weiteres Standbein geschaffen. Diese Strategie werden wir auch in Zukunft verfolgen.
Über Marius Follert:
Der 21-jährige Marius Follert entwickelte das Browserspiel Pennergame gemeinsam mit seinem Freund Niels Wildung als Hobbyprojekt. Er absolvierte währenddessen eine Ausbildung zum Screendesigner, die er jedoch abbrach, als sich der Erfolg von Pennergame abzeichnete. Im April 2008 gründeten er und Niels die Farbflut GmbH. Inzwischen beschäftigen sie 20 Mitarbeiter, wollen das Personal aber im Lauf des Jahres 2010 auf 40 aufstocken. Pennergame gibt es mittlerweile in den Versionen Hamburg, Berlin, Warschau, Madrid, Paris, Istanbul und London.

am 14. January 2010 um 15:19 Uhr.
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