Interview mit Henning Kosmack von MegaZebra

Megazebra LogoDie MegaZebra GmbH gehört zu den Social Gaming Pionieren und ist mit Spielen wie KickerBuddies, Mahjong und Tooniez auf Social Networks wie Facebook und MySpace vertreten. Wir haben mit Gründer und CEO Henning Kosmack über das Segment der Social Games, das Unternehmen und den Einstieg von Retailspiele-Unternehmen in den Markt der Casual- und Social Games gesprochen.

GameBizz: Der Markt der Social Games ist sehr spannend. Wie siehst du die jüngsten Entwicklungen in diesem Bereich und worauf freust du dich für die Zukunft des Markts?

Henning Kosmack: Ja, viel spannender als dieser Markt kann es eigentlich kaum noch werden. Seit 10 Jahren mache ich was mit Innovationen und Start-ups, so was habe ich noch nie gesehen. Und das Beste ist, wir stehen gerade erst am Anfang. Da kommt noch so viel in nächster Zeit, darauf muss man sich einfach freuen. Ich denke, einige der jetzigen Social Games Firmen werden die neuen Stars der gesamten Gaming Industrie, vielleicht sogar der Medienindustrie allgemein. In keinem anderen Segment steckt man tiefer in den Themen virale Verbreitung, soziale Interaktion und Darbietung von Inhalten, die Massen in Bewegung setzen, wie hier. Elemente davon werden bald in jedem Medien- und Unterhaltungsbereich zu finden sein. Einiges lässt sich jetzt schon erahnen, anderes kann man sich heute noch gar nicht erträumen. Da die Industrie sich aber so extrem schnell bewegt, werden wir selbst diese Sachen sehr bald sehen. Wenn ich mir die Möglichkeiten ansehen, kriege ich vor Aufregung richtig Gänsehaut!

kicker-buddiesGameBizz: Facebook geriet jüngst aufgrund der Datenschutzpolitik in die Kritik. Wie seht ihr als Anbieter von Games auf dem Social Network diese Situation und meinst du, dass User dadurch “vergrault” werden können, was sich ja auch negativ auf MegaZebra und andere Anbieter auswirken könnte?

Henning Kosmack: Datenschutzpolitik ist natürlich ein sehr wichtiges Thema und ich habe das Gefühl, das Facebook hier auch versucht, den richtigen Weg zu finden.
Was MegaZebra angeht, so haben wir von Anfang an Themen wie Seriosität und Datenschutz sehr ernst genommen. Wir haben z.B. nie die diversen Spam-Praktiken genutzt oder Daten irgendwie verarbeitet an Werbeplattformen gegeben. Das hat uns vielleicht kurzfristig um ein paar Nutzer oder Umsätze gebracht, aber zahlt sich jetzt als richtige Entscheidung aus. Der klare Fokus aus guter Qualität und seriösem Umgang mit der Plattform ist bestimmt ein großer Faktor, warum MegaZebra weiterhin so stark viral wächst. Wir zwingen die Leute nicht, Freunde einzuladen, um im Spiel weiterzukommen, sondern sie machen es, weil es ihnen so gut gefällt. Das spricht sich dann viel stärker im Freundeskreis herum, und man muss sich keine Sorgen machen, dass die Freunde dann sauer sind, weil man ihnen etwas empfohlen hat, wo die Daten nachher für sonst was genutzt werden.

GameBizz: Thema Facebook-Credits: Wie steht MegaZebra zur Währung von Facebook?

Henning Kosmack: Ja, Facebook ist natürlich auch schon zu uns gekommen und wir haben geschaut, wo und wann wir Facebook Credits einbauen können. Wenn jemand bereits seine Daten bei Facebook hinterlegt hat, dann wird der gesamte Bezahlvorgang natürlich erheblich beschleunigt, was für den Nutzer ein großer Vorteil ist. Die Gebühren sind hier zwar etwas höher für den Anbieter, aber das gleiche gilt auch für Mobile Payments. Wir denken, es ist wichtig, dem Nutzer eine Vielzahl von Optionen zu geben, damit er sich für die entscheiden kann, die für ihn am intuitivsten ist.

GameBizz: Wo befindet sich MegaZebra derzeit? Generiert ihr bereits Umsatz und wie siehst du die Zukunft des Unternehmens?

Henning Kosmack: Wir waren ja gerade hier in Europa mit die ersten, die Social Games gemacht haben, darum waren wir wahrscheinlich auch unter denen, die die ersten Umsätze verbuchen konnten. Bereits zum Jahreswechsel ging es los. Seitdem haben wir sukzessive die ARPUs und ARPPUs verbessern können. Daher sehe ich die Zukunft von MegaZebra sehr positiv, denn demnächst kommen eine Reihe von Spielen raus, wo wir die gesamte Erfahrung der letzten Jahre umsetzen können, insbesondere auch bei der Monetarisierung.
Neben neuen Interpretationen von beliebten Konzepten, so wollen wir auch weiterhin an sehr innovativen Themen arbeiten. Soweit ich weiß, waren wir die ersten, die z.B. ein Mahjong hatten, heute gibt es zig davon auf Facebook. Gleiches gilt für KickerBuddies, den Fussball-Manager, auch da waren Playfish und Playdom voraus, die jetzt ebenfalls Fussball-Spiele rausbringen. So hat MegaZebra stets eine Nase für Trends bewiesen.
Auch operativ sind wir gut aufgestellt. Wir haben das Team um super Leute erweitert und haben natürlich mit Kizoo auch einen exzellenten Investor an Bord, der genauso begeistert ist, wie wir.

GameBizz: Worauf dürfen sich MegaZebra-User denn in Zukunft freuen? Was habt ihr in der Pipeline?

mahjongHenning Kosmack: Wir haben einiges in der Pipeline! Wir sind ja schon jetzt sehr breit aufgestellt, mit einem der größten Portfolios an Social Games in Europa. Das wird auch so weiter gehen. Wir launchen gerade in den nächsten Monate einige neue Titel. Das reicht von Jewels Rock, ein 3-in-a-row-Klassiker, aber auch einige komplexere Spiele werden dabei seien. Darüber hinaus werden natürlich auch bestehende Titel weiter verbessert. Nach Sudoku stehen auch einige Veränderungen bei Mahjong an.
Besonders spannend ist, dass wir das Portfolio an eigenen Spielen jetzt auch um erfolgreiche Spiele von anderen Anbietern erweitern, die wir als Social Gaming Publisher in den Markt bringen. In der hiesig einzigartigen Kombination bringen wir die jeweilige Expertise der Partner mit unsere tiefen Erfahrung als Social Gaming Pionier zusammen.

GameBizz: Zynga plante eine eigene Plattform für Social Games, wohl, um sich etwas von Facebook zu lösen und ging nun auch eine Partnerschaft mit Yahoo! ein. Hälst du eine solche “Loslösung” für sinnvoll und könntest du dir so etwas auch für MegaZebra vorstellen? Im Zusammenhang dazu, wie siehst du die Abhängigkeit von Facebook von den Social Games-Unternehmen und umgekehrt?

Henning Kosmack: Ich glaube, da war auch viel Show dahinter, um Druck auf Facebook auszuüben. Grundsätzlich sehe ich weiterhin eine enge Verzahnung von Facebook und Social Games Unternehmen. Je besser diese funktioniert, desto besser für das Spiel, und so auch am besten für den Nutzer. Ob das allerdings immer so sein wird, das weiß man heute natürlich noch nicht. Wie gesagt, wenn Social Games Firmen sich mehr und mehr über andere Medien- und Unterhaltungssparten ausweiten, dann werden auch neue Formen der Kooperationen kommen. Hier denke ich, dass auch je nach Spiel und Applikationen jeweils andere Modelle Sinn machen werden, und sich so eine sehr spannende Vielfalt ergeben wird, wie Social Games auch außerhalb von Facebook laufen. 

GameBizz: Immer mehr “große” Unternehmen wie Electronic Arts oder auch Sony betreten der Markt der Social Games. Kann man sagen, dass aufgrund der derzeitigen Situation auf dem Spielemarkt es ohne Social- und Casual Games nicht geht? Und wie schätzt du diese Konkurrenz ein - glaubst du, dass solche Unternehmen, die große Erfahrung in der Produktion von Retail-Spielen haben, eine Gefahr für Social-Games-Unternehmen sind?

Henning Kosmack: Also, erst einmal zu dem ersten Punkt: Ohne „Social“ geht bald nichts mehr. Wenn man auf den diversen Branchentreffs ist, dann sieht und hört man das überall. Darum verstehe ich sehr gut, dass jetzt viele hier reinwollen.
Nervös bin ich deshalb nicht, denn wenn man sich ansieht, wie sie bisher eingestiegen sind, dann zeigt das doch deutlich, was dieses Segment ausmacht. EA hat Playfish gekauft, weil sie wussten, dass sie das nicht selber hinbekommen, schon gar nicht in der Zeit. Mein Gefühl ist, dass die “großen” Unternehmen zwei Möglichkeiten haben. Entweder, sie versuchen es selber: Hier müssen sie wahrscheinlich ein komplett neues Team zusammenstellen, denn Games-As-A-Service ist fundamental anders als Retail-Spiele. Sie werden mühsam lernen müssen, wie die Mechanismen funktionieren und viel Geld ausgeben, um eine Nutzerbasis aufzubauen. Das dauert also nicht nur, es kann auch zu einem Imageschaden führen, wenn die ersten Spiele nicht so gut laufen. Hier sieht man im Markt schon einige Beispiele, wo es genau so lief.
Oder man macht es wie EA und investiert in ein bestehendes und erfolgreiches Team. Da es davon aber nicht so viele gibt, die eine echte Ergänzung wären, gibt es hier halt auch einen Bottleneck, darum werden auch nicht viele diesen Weg gehen können.
Wenn man sich Playdom anschaut, da geht es ja schon eher in die andere Richtung, dass eine Social Games Firma eine traditionelle Schmiede erwirbt.

Über Henning Kosmack:

henning_megazebraHenning Kosmack ist Mitgründer und CEO von MegaZebra. Seit 10 Jahren ist Henning tätig als Gründer, Investor und Berater. Bevor er mit MegaZebra seine zweite Firma mitgründete, war er zuletzt als Berater und Aufsichtsrat tätig, für Softwarefirmen weltweit. Davor leitete er, zuletzt bei Nokia Siemens Networks, diverse Themengebiete, u.a. M&A, Venturing & Partnering. 

Ein Kommentar zu “Interview mit Henning Kosmack von MegaZebra”

  1. GameBizz-Newsflash 9. Juni 2010 | GameBizz.de - Der Blog für Online Games Business

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