Interview mit Frédéric Cremer von Owlient
Der in Paris ansässige Browsergames-Anbieter Owlient bedient eine spezielle Zielgruppe dieses Marktes. Mit Howrse feiert das Unternehmen bereits große Erfolge. Über 4,6 Millionen Unique Visitors zählt die deutsche Community und Ende 2009 überschritt das Unternehmen erstmals seit dem Erhalt von drei Millionen Euro Venture Capital die Gewinnschwelle. Wir hatten die Gelegenheit, Frédéric Cremer, Vice President Operations, bei Owlient zum Interview zu bitten und befragten ihn zur Zielgruppe und seiner Sicht der Entwicklung des Browsergames-Marktes in Europa.
GameBizz: Der Browsergames-Markt wächst derzeit stetig, während in anderen Bereichen der Gamesbranche eher Verluste verzeichnet werden. Was glauben Sie, woran das liegt?
Frédéric Cremer: Ein Grund ist sicher, dass viele Browsergames nach dem Free2Play-Modell funktionieren, das heißt auch völlig kostenlos gespielt werden können. Darüber hinaus sind Online-Games besonders erfolgreich, weil in der Regel keine teuren und komplexen Software-Installationen oder Downloads erforderlich sind. Außerdem sind auch keine besonderen Hardware-Anforderungen zu erfüllen.
GameBizz: Die Spiele von Owlient richten sich mit Howrse, Babydow und Fashiown an ein ganz spezielles, eher jüngeres Publikum. Besteht hier nicht die Gefahr der Stagnation oder plant Owlient derzeit, das Publikum mit Spielen für andere Zielgruppen zu erweitern?
Frédéric Cremer: Unsere Spiele adressieren spezielle Interessengruppen, unabhängig von deren Alter. Eine Stagnation erwarten wir hier deshalb nicht. Owlient hat in den letzten Jahren regelmäßig neue Spiele herausgebracht und diese außerdem in verschiedene Sprachen übertragen. Diese Internationalisierung wird auch 2010 weiter vorangetrieben und uns neue Zielmärkte und -gruppen erschließen. Generell können wir ganz klar festhalten, dass unsere Spiele auch von älteren Spielern genutzt werden. Bei howrse.de zum Beispiel gehören der Gruppe der über 20-Jährigen mehr als 15 Prozent der Spieler an.
GameBizz: Wie monetarisieren die Spiele von Owlient und sind die Spieler der (jüngeren) Zielgruppe bereit, echtes Geld in ihr Spiel zu investieren, wenn man doch inzwischen eher daran gewöhnt ist, dass im Internet vieles kostenlos ist?
Frédéric Cremer: Unsere Spiele orientieren sich am Free2Play-Modell. Grundsätzlich sind sie kostenlos zu spielen. Alle virtuellen Güter, die gegen Bezahlung gekauft werden können, sind mit etwas Geduld auch ohne Geld zu erwerben. Meist dienen sie der Beschleunigung des Spielfortschritts oder einer stärkeren Individualisierung – beispielsweise mit selbstgestalteten Fellen. Der größte Teil unserer User – etwa 90% – spielt komplett kostenlos und ohne jemals Geld zu investieren. Unser Umsatz resultiert aus zwei Quellen: ein Teil stammt aus Werbung, der andere aus Ausgaben unserer User für virtuelle Güter. Wir sind der Meinung, dass gerade im Vertrieb von virtuellen Gütern die zentrale künftige Einnahmequelle für Spiele-Entwickler und -Publisher liegen wird.
GameBizz: Was glauben Sie, wie sich der Browsergames-Markt in Europa in Zukunft entwickeln wird und wo sieht Owlient sich hier?
Frédéric Cremer: Konsolidierung und weiteres Wachstum lauten hier die zentralen Tendenzen. Auf Anbieterseite sehen wir eine Konsolidierung und Marktbereinigung. Das heißt, die großen, etablierten Unternehmen werden ihre Positionen ausbauen und die zahlreichen kleinen werden sich nicht mehr unabhängig behaupten können. Generell werden Browsergames ein Wachstumsmarkt bleiben. Nicht umsonst will die Kölner Gamescom 2010 ihr Messeangebot um eine eigene Themenwelt mit Online- und Browsergames erweitern. Mit unserer User-Community von über 10 Millionen sehen wir uns sehr gut gerüstet für die künftige Wettbewerbssituation. Unser Wachstum wollen wir in erster Linie durch die weitere Internationalisierung forcieren.
GameBizz: Ist in Zukunft geplant, sich am boomenden Markt der Social Games etwa auf Facebook zu beteiligen? Spiele wie Babydow scheinen dafür geradezu prädestiniert zu sein.
Frédéric Cremer: Kurzfristige Ziele von Owlient sind die Internationalisierung und die Konzeption neuer Spiele. Mittelfristig behalten wir aber auch die Entwicklung von sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace im Hinblick auf ihre Nutzung als Spiele-Plattformen im Auge.
Über Frédéric Cremer:
Frédéric Cremer war nach seinem Abschluss in Marketing im Jahr 1998 an der Haute Ecole Mosane d’Enseignement Supérieur (HEMES) in Lüttich (Belgien) zunächst als Medienberater eines belgischen Ministerpräsidenten tätig. Seit 2001 hielt der viersprachige Cremer diverse Positionen in der Gaming-Branche inne und sammelte Erfahrung in den Bereichen Entwicklung, Producing, Produkt-Management, Marketing, PR, Business Development und Operations - unter anderem bei den Firmen Westka Interactive, cdv Software Entertainment, Gameloft, 12snap und games mill. Gegenwärtig ist er bei Owlient als Vice President Operations tätig, wo er auch für das Browsergame of the Year 2008 in der Kategorie Beste Wirtschaftssimulation verantwortlich zeichnete. Der 33-Jährige ist verheiratet und lebt seit 2005 in München.
