Interview mit Franz Riedl von Skatstube.de

skatstube_logoGeschicklichkeits- oder Glücksspiel? Die Skatstube mit Sitz in Berlin bietet Kartenspielern eine virtuelle Möglichkeit, gegeneinander anzutreten und sogar um echtes Geld Skat zu spielen. Über 32.000 Spieler nutzen das Angebot. Das Portal ist damit, genau wie Sauspiel, dem Portal für das Kartenspiel Schafkopf, sehr erfolgreich. Wir haben Franz Riedl der Skatstube GmbH zum Interview gebeten und ihn über die Gründung, die Problematik des Glücksspielverbots in Deutschland und seine Zukunftspläne befragt.

 

GameBizz: Wie wurde die Skatstube ins Leben gerufen und wie verlief die Entwicklung bis heute?

Franz Riedl: Die Skatstube ging im Januar diesen Jahres online und wurde von Agnes, Bertram, Martin und mir in Berlin gegründet. Wir kennen uns noch aus unserer gemeinsamen Studienzeit und sind selbst seit unserer Jugend begeisterte Kartenspieler. Zusammen haben wir bereits Sauspiel.de, eine Community rund um das bayerische Kartenspiel Schafkopf aufgebaut. Wir haben aber auch einige begeisterte Skatspieler im Team. Da mussten wir logischerweise eine gemütliche Skatseite ins Netz bringen.
Wir wollten aber keine Plattform mit verschiedenen Kartenspielen schaffen, sondern uns bewusst auf Skatspieler konzentrieren und Ihnen eine Heimat im Internet geben. Diese Idee kommt bislang sehr gut an: Wir haben seit dem Launch im Januar von Woche zu Woche größere Zuwachsraten und stehen nun nach etwa 10 Monaten bei 32.000 Mitgliedern – Tendenz weiterhin steigend. Die Entwicklung und das Wachstum sind also sehr erfreulich und motivieren uns, mit vollem Einsatz weiter zu machen.

GameBizz: Die Skatstube stellt das traditionelle und beliebte Kartenspiel Skat in einer Online-Variante zur Verfügung. Gibt es hier Schwierigkeiten mit den gesetzlichen Regelungen zum Glücksspiel in Deutschland?

Franz Riedl: Zunächst muss man grundlegend festhalten, dass Skat - wie auch Sven Ivo Brinck in eurem Artikel über Skillgames schreibt - eben definitiv kein Glücks-, sondern ein Geschicklichkeitsspiel ist. Sicher kann man, wie bei jedem Kartenspiel ein paar Spiele hinweg ein wenig Glück haben. Über einen längeren Zeitraum hinweg setzt sich aber ganz sicher die Erfahrung und das Geschick eines Spielers durch und es wird offensichtlich, wer das Spiel gut oder weniger gut beherrscht. Diese Erfahrung habe ich selbst auch schon machen müssen.
Ich kenne einige Leute, die bestreiten würden, dass beim Pokern der Erfolg nur vom Glück abhängt. Allerdings gibt es hier einen entscheidenden Unterschied: Das Spiel Skat wird im juristischen Sinne in Deutschland als Geschicklichkeitsspiel (eben nicht als Glücksspiel) eingestuft. Das wird durch verschiedene Gutachten namhafter Juristen bestätigt und unter anderem durch die vollständige Austeilung der vorhandenen Karten begründet. Daher befinden wir uns auch rechtlich auf der sicheren Seite und freuen uns, ein traditionelles Kartenspiel, das hauptsächlich im deutschsprachigen Raum gespielt wird, von Deutschland aus anbieten zu können.

GameBizz: Die Skatstube verzichtet auf Werbebanner oder etwa TV- oder Radio-Werbung. Wie erhaltet ihr dennoch mehr als die etwa 32.000 Spieler, die bereits jetzt aktiv sind?

Franz Riedl: Es ist richtig, dass wir im Moment wenig Geld in Werbung investieren. Wir glauben daran, dass sich ein gutes Angebot am Markt durchsetzt. Zahlreiche Spieler, die sich bei uns wohl fühlen, empfehlen die Skatstube ihren Freunden und Bekannten weiter. Da die Anmeldung kostenlos und sehr unkompliziert ist, probieren viele die Skatstube einfach mal aus und bleiben uns treu.
Das hat den Vorteil, dass wir uns voll und ganz auf die Weiterentwicklung unserer Community konzentrieren können anstatt auf groß angelegte Werbekampagnen.

skatstube_screenshotGameBizz: Ihr legt sehr viel Wert auf umfangreiche Community-Features. Welchen Stellenwert hat die Community bei euch und würde die Skatstube auch funktionieren ohne diese Features, sprich eher mit Gelegenheitsspielern, die nur mal hin und wieder vorbeischauen?

Franz Riedl: Die Community ist in unseren Augen ein elementarer Bestandteil, der aus der Skatstube nicht weg zu denken ist. Das Schöne beim Kartenspielen ist ja, Freunde zu treffen und sich miteinander auszutauschen. Klar steht das Spielen im Mittelpunkt, aber es geht eben um deutlich mehr.
Wenn man regelmäßig mit jemandem spielt und sich gut versteht, möchte man schließlich die Person hinter dem Avatar kennenlernen. Dies gilt für Gelegenheitsspieler gleichermaßen wie für diejenigen, die jede Woche mehrere hundert Partien bei uns spielen. Wir haben sehr viele Spieler, die bei uns neue Freunde gefunden haben, mit denen sie sich im wirklichen Leben treffen und eine Partie Skat spielen.
Zusätzlich hilft uns der intensive Austausch mit den Spielern dabei, deren Bedürfnisse besser zu verstehen und somit genau die Verbesserungen vorzunehmen, die sich unsere Nutzer wünschen. Natürlich kann man es nicht immer allen recht machen, aber ich glaube, dass wir unsere Spieler sehr gut kennen. Dadurch entwickeln wir für sie und nicht an ihnen vorbei.

GameBizz: Es gibt ja eine ganze Reihe von Kartenspielen im In- und Ausland – angefangen vom sizilianischen Briscola bis hin zum russischen Durak. Was plant ihr in diesem Zusammenhang für die Zukunft? Wollt ihr über die bestehende Plattform hinaus noch mehr Geschicklichkeitsspiele anbieten?

Franz Riedl: Die Skatstube selbst wird keine weiteren Spiele anbieten, eher neue Varianten oder Funktionen im Skat selbst, wie beispielsweise die Sonderregeln des Kneipenskats oder Turniere – schließlich haben wir uns dem Skat verschrieben und hier auch noch einiges auf dem Zettel. Andere Spiele in der Skatstube anzubieten würde einfach nicht passen.
Natürlich haben wir uns aber über weitere mögliche Spiele schon Gedanken gemacht, das liegt ja nahe. Da fast alle Kartenspiele, wie die von Dir genannten Beispiele, stark regional verwurzelt sind, muss man die Einstellung der Spieler und die lokalen Gegebenheiten sehr gut kennen. Nur so gelingt es, eine schöne Seite mit angenehmer Atmosphäre zu schaffen, auf der sich die Spieler wohl fühlen. Wir möchten eben keine generische Hochglanzseite, auf der man im Grunde jedes Spiel anbieten könnte. Daher arbeiten wir zusammen mit österreichischen Partnern bereits an einer Seite rund um das Kartenspiel „Schnapsen“. Damit werden wir voraussichtlich Anfang 2010 an den Start gehen. Ob und welche Spiele wir darüber hinaus in Zukunft anbieten, ist noch unsicher. Wir halten euch aber gerne auf dem Laufenden.

Über Franz Riedl

skatstube_franz_riedl1Franz Riedl, Jahrgang 1982, studierte Betriebswirtschaftslehre in St. Gallen und war anschließend als Unternehmensberater tätig. Er ist Mitgründer und einer der Geschäftsführer der Skatstube GmbH, die eine Skatseite im Internet betreibt. Bislang haben sich auf www.skatstube.de über 32.000 Mitglieder angemeldet und etwa 8,5 Millionen Spiele absolviert. Die Skatstube bietet zahlreiche Community-Funktionen wie beispielsweise Spieler-Profile, Chat-Möglichkeiten, Diskussionsforen, Gästebücher oder eine digitale Landkarte zur Lokalisierung von Mitspielern. In der Skatstube kann sowohl kostenlos um Spielgeld als auch um echtes Geld Skat gekloppt werden.

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