Interview mit Florian Bohn von Travian Games
Travian gehört zu den beliebtesten Online Games aus Deutschland. Aber nicht nur die hohe Popularität der Spiele, sondern auch ein Hauch der Verborgenheit windet sich um das Image des Münchener Unternehmens. So musste GameBizz einige Anläufe nehmen, um ein Interview zu erhalten. Nicht zuletzt waren auch die firmeninternen Veränderungen in den vergangenen Monaten dafür verantwortlich: Nachdem sich CEO und Gründer Siegfried Müller aus der Firma zurückgezogen hat, übernahm der ehemalige COO Florian Bohn dessen Posten. Grund für uns, noch einmal bei Travian Games anzuklopfen und mit Erfolg ein Interview mit dem neuen und symphatischen CEO zu führen.
GameBizz: Hallo Florian, danke, dass du dir die Zeit genommen hast für dieses Interview. Normalerweise hört man wenig über die Firma Travian Games GmbH. Man könnte beinahe behaupten, dass ihr euch in gewisser Art und Weise verstecken wollt. Ist der Eindruck korrekt oder entspricht das gar nicht eurer eigenen Zielsetzung?
Florian Bohn: Nein, der Eindruck ist wohl richtig. Travian Games ist sehr unauffällig gewachsen, was sicherlich zum einen mit den Gründern zu tun hat, für die die Weiterentwicklung von Travian und dessen Internationalisierung wichtiger waren, als im Rampenlicht zu stehen. Auf der anderen Seite ist es nicht zwingend ein Nachteil, dieses Image aufgebaut zu haben. Die User nehmen einen anders wahr. Für uns steht der Spieler im Mittelpunkt und das schätzen sie an uns. Die Facette, dass wir natürlich auch ein nachhaltig erfolgreiches Unternehmen aufbauen wollen, steht für die Gamer im Hintergrund und fällt dabei oft aus ihrem Blickwinkel, was uns in einigen Hinsichten sicherlich nicht schadet. Leider schadet es uns aber an der Personalakquise-Front, weil wir bei potenziellen Mitarbeitern in der Breite nicht ausreichend wahrgenommen werden. Allerdings haben wir immer mehr namhafte Neuzugänge auch aus der klassischen Spiele-Industrie sowie aus angrenzenden Branchen überzeugen können, dass hinter der unauffälligen Fassade ein faszinierendes Unternehmen steckt. Wenn wir Kandidaten von einem Besuch bei uns überzeugen können, haben wir meist gute Karten

Ein Screenshot aus dem Browsergame Travian.
GameBizz: Insbesondere der erste Punkt ist interessant: Siegfried war niemand der im Rampenlicht stehen wollte bzw. will. Nun hat er sich auch als CEO zurückgezogen und dir, nachdem du bereits COO warst, den Posten übergeben. Was waren dafür die Gründe?
Florian Bohn: Einer der wichtigsten Punkte war, dass Siegfried in seiner Rolle als CEO extrem viel gearbeitet hat und auf Grund seiner wichtigen Position in der Firma auch wenig Möglichkeiten hatte, sich mal Ruhe zu gönnen. Er hat sehr viel mit der Firma erreicht und jetzt für sich beschlossen, dass er seine eigenen Prioritäten anders setzen möchte als in der Vergangenheit, woraus dann die Entscheidung resultierte, sich als CEO zurückzuziehen.
Der Wechsel in der Geschäftsführung kam daher letztendlich aus der Entscheidung Siegfrieds und den Erfahrungen, die ich bereits in der Vergangenheit in anderen Unternehmen sammeln konnte. Diese sollen helfen, Travian Games in der jetzigen Situation weiter zu entwickeln.
GameBizz: Einer der Punkte auf die ihr besonders stolz seid, ist die erfolgreiche Internationalisierung. Was ist euch als Unternehmen noch wichtig an euren Produkten?
Florian Bohn: Ich denke, dass wir ingesamt stolz auf unsere Produkte sind, wenngleich wir uns noch deutlich steigern wollen und noch viel für unsere Spieler tun werden und auch müssen, um unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Das Gameplay steht für uns ganz klar im Mittelpunkt, wodurch wir auch die Spieltiefe und die daraus folgende, langfristige Spielmotivation unserer User erreichen. Dabei ist für uns natürlich besonders wichtig, dass die Gamer auch ohne Bezahlung erfolgreich vorne mitspielen können. Dass wir so viele User an uns binden konnten, liegt sicherlich an den eben genannten Punkten, was natürlich einer unserer größten Erfolge ist.

Screenshots aus Travian Games Spiel Imperion.
GameBizz: Ihr habt jetzt das erste Spiel, das nicht im Travian-Style ist, herausgebracht. Imperion ist der Name eures dritten Produkts. Was sind die nächsten Schritte?
Florian Bohn: Ähnlich wie andere Marktteilnehmer machen wir Tests in anderen Bereichen und wir schauen, wohin sich der Markt bewegt. Das ist ganz typisch und eine logische Konsequenz, wenn man neue Trends nicht verpassen möchte.
Es wird natürlich auch neue Games geben, die wie Imperion oder das für den Deutschen Entwicklerpreis nominierte Wewaii, nicht im Travian-Style sein werden. Trotzalledem werden wir weiterhin an unseren vorhandenen Games arbeiten und somit unsere Kraft nicht nur auf ein neues Spiel konzentrieren, sondern auch unsere aktuellen Spiele stets verbessern, um unseren Usern weiterhin den maximalen Spielspaß bieten zu können.
GameBizz: Für jeden, der sich ein wenig auskennt im Online Games Business, ist Travian Games immer etwas besonderes. Worin unterscheidet ihr euch denn eigentlich von der Konkurrenz?
Florian Bohn: Die beiden wichtigsten Punkte sind sicherlich unsere Unabhängigkeit und unsere Bodenständigkeit. Letztendlich sind beide in der Grundphilosophie der Gründer verpflanzt und werden bis heute auch noch in der Firma weitergetragen. Das Thema Unabhängigkeit bedeutet für uns, dass wir nicht auf einen Exit hinarbeiten, auch wenn das für den einen oder anderen altmodisch sein mag ;-). Dies erlaubt uns, Entscheidungen zu treffen, die sich kurzfristig möglicherweise nicht direkt in finanziellen Kennzahlen niederschlagen, allerdings unserer Meinung nach mittelfristig für den nachhaltigen Erfolg wichtig sind. Das bedeutet, dass wir das klare Ziel haben, auch in fünf Jahren noch weiterhin einer der Top-Player im Online Games Business zu sein. Die Bodenständigkeit drückt sich in vielen Punkten des täglichen Lebens aus. Sie geht einher mit großer Menschlichkeit, Fairness im Umgang mit Mitarbeitern und einer gehörigen Portion Leidenschaft für unsere Spiele und unsere Spieler. In Zeiten von zielgerichtet eingesetztem Personalmarketing und Investoren-Storys hört sich das ein wenig aufgesetzt an, ist bei uns aber die nackte Realität. Deshalb auch die steigende Chance, Bewerber von uns zu überzeugen, wenn sie erst einmal bei uns zum ersten Gespräch waren
Kurz: Unabhängigkeit und Bodenständigkeit sind aus meiner Sicht zwei Unterscheidungskriterien.
GameBizz: Vielen Dank für das Interview!
Über Florian Bohn:
Florian Bohn ist studierter Betriebswirt und war zuvor bei der Loyalty Partner GmbH in verschiedenen Positionen (unter anderem Leiter Account Management, Projektleiter Product Developement) aktiv. Den gebürtigen Münchener zog es danach nach Hannover in den Norden, um dort bei der von Nordeck Holding als Manager im Vertrieb und Marketing tätig zu sein. Seit Juli 2009 ist Florian Bohn CEO von Travian Games und löste somit den Gründer Siegfried Müller ab. Die Firma mit Sitz in München hat derzeit 108 Angestellte, 5.2 Millionen aktive Spieler und veröffentlichte seine Spiele in über 51 Ländern.

am 3. December 2009 um 18:01 Uhr.
Interessantes Interview - und eine gute Grundeinstellung!
am 10. December 2009 um 19:55 Uhr.
Florian, sehr schönes Interview. Vielleicht sieht man sich ja mal demnächst. Grüsse aus Hamburg!
am 29. January 2010 um 16:51 Uhr.
Danke für das interessante Interview. Travian ist wirklich ein sehr gutes Spiel und was die Jungs entwickeln auch.