Interview mit Dr. Marc Gumpinger von Scoreloop

Mobile Social Gaming ist stark im Kommen. Unterwegs im Social Gaming Bereich aktiv zu sein, ohne am heimischen PC sitzen zu müssen, ist für viele User sehr interessant. Daher haben wir die Gelegenheit genutzt, mit Dr. Marc Gumpinger ein Interview zu führen. Der CEO von Scoreloop erklärte uns das Firmenkonzept, sprach über Konkurrenz und Erfolg, sowie die Schwierigkeiten sich im Mobile Games Markt zu behaupten.
GameBizz: Hallo Marc. Danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Könntest du uns beschreiben, was genau ihr mit Scoreloop macht?
Marc Gumpinger: Scoreloop ist Enabler für das Mobile Social Gaming. Wir liefern und betreiben eine Infrastruktur, die Hersteller von Handyspielen in ihre Spiele einbauen. Damit öffnet unsere Technologie die Türen der Spiele, so dass sie nicht nur alleine, sondern auch mit oder gegen andere gespielt werden können. Insbesondere bietet Scoreloop globale High Score Listen, Achievements, Challenges gegen Freunde, Cross Promotions und Social Network Integration (z.B. mit Facebook) an.
Zusätzlich zu diesen Social Features stellt Scoreloop eine virtuelle Währung zur Verfügung, über welche die Spielehersteller die Nutzung ihrer Spiele monetarisieren können.
Damit stellt Scoreloop letztendlich eine Infrastruktur zur Verfügung, die bei Browser-Spielen (z.B. von Zynga oder Playfish) bereits sehr erfolgreich ist. Der große Mehrwert von Scoreloop liegt darin, dass wir diese Infrastruktur allen Spieleherstellern anbieten, da Scoreloop keine eigenen Spiele entwickelt.
GameBizz: Wer sind eure derzeit größten Konkurrenten?
Marc Gumpinger: Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir nur entfernte Konkurrenten haben. So bietet beispielsweise ngmoco/Plus+ Teile unserer Funktionen auch an, ist selbst aber Publisher und konkurriert damit mit den anderen Spieleherstellern. Ähnliches gilt für AuroraFeint, die ebenfalls selbst Spiele herstellen, ihre Lösung OpenFeint als OpenSource Projekt anbieten und eher auf Referrals ausgerichtet sind.
GameBizz: Könnt ihr bereits jetzt ein Zwischenfazit ziehen und sagen wie erfolgreich ich seid? In wie vielen Spielen seid ihr bislang integriert?
Marc Gumpinger: Nachdem unsere Technologie erst rund ein halbes Jahr auf dem Markt verfügbar ist, wurde Scoreloop bereits in rund 100 Spielen auf dem iPhone integriert. Drunter sind Top-Spiele wie Parachute Panic oder das offizielle Hello Kitty Spiel. Weiter bekannte Titel von großen Spieleherstellern sind bereits in Arbeit.
GameBizz: Euer Hauptsitz ist in München. Ihr habt weitere Offices in den USA und in Asien. Wie reagieren andere Firmen darauf, wenn sie hören, dass eine deutsche Firma mit so einem Produkt an den Markt gegangen ist? Könnte es nicht auch nachteilhaft sein, einen Hauptsitz in Deutschland zu haben, wobei die meisten Developer doch in den USA sitzen?
Marc Gumpinger: Nicht zuletzt wegen der Fragmentierung der Plattformen (iPhone, Android, Symbian, BlackBerry, Windows Mobile, BREW) ist der Markt für Handyspiele ein sehr globaler. Nur in einer Region aktiv zu sein, wäre fatal. Aus diesem Grund sind wir in allen drei Regionen, Europa, USA und Asien präsent. Vor allem in diesem extrem schnellen Markt und in der nach wie vor heiklen Umgebung der mobilen Endgeräte zeigt sich, dass „German Engineering“ von großem Wert ist. Oder wie sagte es ein Gesprächspartner vor kurzem: „Oh you’re from Germany – then I can take your bullet lists for granted“.
Darüber hinaus arbeiten wir ausschließlich mit Mitarbeitern, die aus der jeweiligen Region stammen. Scoreloop tritt in den USA damit amerikanisch auf und in Asien asiatisch. Damit vereinen wir das Beste aus beiden Welten: höchste Qualität und lokales Angebot.
GameBizz: Du hattest bereits beschrieben was ihr mit eurem SDK anbietet. Um ein wenig provokant nachzufragen: Seid ihr nicht auf die Unwissenheit der Mobile Apps Developer angewiesen, um mit eurem Produkt Erfolg zu haben. Um es noch klarer auszudrücken: Euer SDK wäre doch nutzlos, wenn alle Developer von Anfang beachten würden, dass Social und Competition Features eine App langlebiger machen.
Marc Gumpinger: Der große Nutzen von Scoreloop liegt nicht in der Erkenntnis, dass Social Features wertvoll sind. Unser Nutzen liegt darin, dass wir Komponenten liefern, deren Umsetzung deutlich außerhalb der Kernkompetenz der Spielehersteller liegen. Die Spielehersteller sind gut darin, tolle Spiele zu entwickeln. Was ihnen aber fehlt, ist das Know-How über Server-Anbindungen, Architekturen, Security oder Payment-Systeme. Das ist die Welt aus der das Team von Scoreloop stammt.
Mit Scoreloop können sich die Spielehersteller auf die Produktion herausragender Spiele konzentrieren und die komplette Social Gaming Infrastruktur ganz einfach wie eine Grafik-Engine einbauen.
GameBizz: Viele Firmen sind im Mobile Bereich kläglich gescheitert. Man könnte beinahe behaupten, dass der Mobile Markt eigene Gesetze haben könnte. Könntest du uns die drei wichtigsten Gesetze irgendwie beschreiben?
Marc Gumpinger: Der Mobile Games Markt hat bereits eine erste Welle hinter sich. Diese war geprägt von komplexen Java Portierungen, langsamen Geräten mit kleinen Displays, extrem teuren Datentarifen und höchst unkomfortablen Zugängen zum Internet. Und dann kam das iPhone – und mit ihm große Displays, schnelle Grafik, „always on“-Datenflatrates, App Stores und 20.000 Games innerhalb von einem Jahr. Das iPhone hat alles verändert – und die anderen Anbieter folgen.
Neben dieser Erkenntnis gelten aber auch in diesem Markt die meiner Meinung nach wichtigsten Gesetze:
1.Höre darauf, was Deine Kunden wollen
2.Liefere das in besonders guter Qualität (oder besonders günstig)
3.Füge dem Ganzen eine Priese Innovation hinzu, die Dein Angebot besonders (und damit resistent gegenüber dem Wettbewerb) macht
Über Dr. Marc Gumpinger
Dr. Marc Gumpinger begann seine Karriere als ein freiberuflicher Berater bei Apple, bevor er sein erstes Unternehmen mitgründete. Plugware, eine Vertriebsplattform für plug-ins, wurde jedoch schnell von der COSS AG aufgekauft. Anschließend entwickelte er eine webbasierende Immobilienplattform, die von einer großen deutschen Vertriebsgruppe erstanden wurde, woraufhin er das Logistik- und Abrechnungssystem entwarf, das große internationale Katalogfirmen und Magazine für den Prozess benutzen, der hinter der Aufbereitung digitaler Bilder steckt. Später arbeitete Marc bei Target Partners, einer von Europas erfolgreichsten Venture Kapitalgesellschaften und gründete nach seinem Weggang Scoreloop. Target Partners erkannte das Potenzial des Unternehmens und investierte in die Firma. Mark hat einen Doktortitel PhD (Dr. rer. biol. hum.) mit Fokus auf Computerwissenschaften und -statistiken, den er an der Universität in München erhielt. Außerdem absolvierte er seinen Diplom-Kaufmann an der Universität Hagen.
