Die Vor- und Nachteile von Free2Play-Games im Retail-Handel
Der reguläre Vertriebsweg von Free2Play-Spielen geht über das Internet. Spieler laden sich den Client auf der Webseite des Spiels herunter, installieren ihn und spielen. Doch inzwischen finden immer mehr Free2Play-Games ihren Weg in den Handel. Zu relativ günstigen Preise von etwa 10 bis 20 Euro stehen schöne Schachteln in den Regalen, die den Client auf DVD plus einige Extras wie Handbuch, Karte und einige Ingame-Bonusitems enthalten. Doch welche Vor- und Nachteile kann so ein zusätzlicher Vertrieb im Handel bedeuten?
Anfang Februar gab Publisher GameForge bekannt, seine Spiele auch für € 19,99 im Handel anzubieten. So findet sich in den Schachteln etwa der MMORPGs NosTale, Metin 2 oder 4Story auch ein Gutschein im Wert von € 30 Euro, den man im Spiel beispielsweise gegen Items eintauschen kann. Auch BigPoint bietet mit der SevenGames Extended Edition ausgewählte Spiele wie Gladiatoren 2, Seafight oder Dark Orbit für € 19,99 mit zusätzlichen Inhalten im Handel an, genau wie Burda:ic/alaplaya etwa das MMORPG Florensia. Auf diese Weise werden natürlich neue Käuferschichten erreicht. Spieler, die sich nicht groß in der Fachpresse informieren, sondern “aus dem Bauch heraus” ein Spiel kaufen, werden bei den relativ günstigen Preisen wohl zuschlagen. Auch Spieler, die lieber einen physischen Datenträger mit Schachtel und Handbuch in der Hand halten wollen, können von diesen Angeboten ebenso angesprochen werden wie Gamer, die keine Gigabyte großen Downloads tätigen möchten, bevor sie losspielen dürfen. Da auch Ingame-Items enthalten sind, könnten Spieler gleich auf den Geschmack gebracht werden, sich weitere Gegenstände gegen geringe Beträge im Spiel zu kaufen.
Der Nachteil ist natürlich, dass sobald ein eigentlich kostenloses Spiel im Handel ausliegt und Geld kostet, es von der Fachpresse getestet wird. Kostenlose Spiele genießen bisher noch den Umstand, dass es sich schwierig gestaltet, etwas zu bewerten, das eigentlich gratis ist. Kosten sie jedoch Geld, stehen sie auf einer Stufe mit Retail-Spielen. Da allerdings Free2Play-Games nicht mit demselben Budget wie Retail-Spiele produziert werden können - was sich in der Regel in der grafischen Präsentation zeigt -, schneiden sie meist im direkten Vergleich deutlich schlechter ab. Dies spiegelt sich entsprechend in den Wertungen wieder. Wertungen im 40er, 50er und 60er-Bereich sind dabei keine Seltenheit. Sogar Frogsters preisgekröntes Runes of Magic erhielt auf Metacritic nur eine Durchschnittswertung von 73% - kein Vergleich zu den 93% von World of Warcraft oder 86% von Lord of the Rings Online - und das, obwohl das MMORPG als eines der besten Free2Play-Spiele gehandelt wird. Spieler, die sich aufgrund von Tests in der Fachpresse ein Spiel kaufen, werden von derartigen Wertungen natürlich abgeschreckt, was dazu führen kann, dass weniger Exemplare davon im Handel verkauft und sogar die kostenlosen Download-Versionen gemieden werden.
Es ist also ein zweischneidiges Schwert, Free2Play-Games auch für Geld im Retail-Handel anzubieten. Ob so viele neue Spieler dadurch gewonnen werden, lassen wir im Raum stehen. Die Gefahr, dem Spiel einen schlechten Ruf zu verpassen, ist so jedoch stets vorhanden.
