Die Games Convention Online - Ein Erfahrungsbericht

games-convention-onlineSeit zwei Tagen ist sie vorbei und vielleicht sogar für immer. Lange wurde spekuliert, diskutiert und beinahe fantasiert über 50.000 bis 70.000 Besucher, volle Hallen und einen möglichen Sieg im Fernduell gegen die gamescom aus Köln, quasi wie David gegen Goliath. Und irgendwie kennt man nur wenige, ausgenommen jene, die seit jeher für die gamescom in Köln plädieren, die es dem David aus Leipzig nicht gegönnt hätten, wenigstens einen Teilerfolg zu erringen. Es hätte ja nicht direkt der Schuss an die Schläfe sein müssen, aber wenigstens ein richtiges Aufbäumen. Das gab es zwar, 43.000 Besucher waren es am Ende, doch wird das reichen? ,,Alle Zeichen für die GCO 2010 stehen auf Wachstum”, liest man als Statement von Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipzig Messe. Das wäre auch dringend nötig. Nur was genau hat gefehlt? Eine kleine Analyse aus GameBizz-Sicht.

Der erste Eindruck

Anreise morgens mit dem ICE. Angekommen am Leipziger Hauptbahnhof, geht es in das nächste Taxi. Schon der Taxifahrer beklagt sich innerhalb kürzester Zeit, wie schlecht es für sie - die Taxifahrer - wäre, dass die Games Convention so klein ausfiele. Keinerlei große Plakate oder Bannerwerbung in der Innenstadt oder im Bahnhof selbst und doch sehe ich dann einen Hinweis: Eine Verkehrsschild, eine große Plakette, direkt an einer Straßenlaterne.

Die Glashalle in der man sich unter anderem sein Ticket abholen kann, ist extrem spärlich besucht, ähnlich wie die Gänge und die gesamte Messe. Wenn man früher Probleme hatte, sich durch die engen Glaskanäle durchzuquetschen, umringt von jugendlichen Besuchern und gehetzten Promoterinnen und Promotern, so ist es jetzt bei Weitem angenehmer. Ob das nun jemanden freut, ist eine andere Frage, ich jedoch versuche positiv zu denken. Zumindest sind die Hallen gefüllter als die Gänge. Bigpoint macht eine große Show, unter anderem mit MTV-Moderator Daniel Budiman. Das Spiel Poisonville scheint gut angekommen zu sein, jede Menge Besucher laufen in einem Bigpoint Shirt im Ed Hardy Style herum. Vielleicht sind es auch die einzigen coolen Gimmicks, die man als Besucher bekommen konnte.

Ansonsten besitzen Gameforge, die World Cyber Games und ijji, das amerikanische Online Games Portal von NHN USA, die größten Stände auf der Messe, wenn man die sehr große Kartbahn außer Acht lässt.

Das Business läuft gut

Business-Leute sieht man nur selten in den Hallen, Grund könnte das gut florierende Geschäft sein. Das Angebot an Ausstellern ist übersichtlich, man kommt sehr schnell ins Gespräch und der Business-Bereich ist sehr schön abgetrennt von dem eigentlichen Messewirbel. Man könnte behaupten, es sei beinahe familiär. Jeder, der hier für B2B-Kontakte gekommen ist, konnte sich freuen. Einzig unzufrieden hätten die Aussteller für Consumer sein können. Und selbst die sind zufrieden. Wenn ein Bigpoint hier in Leipzig den größten Stand hat, wären sie doch auf der GamesCom gegen ein EA oder Activision untergegangen.

Die eigentliche Problematik

Doch irgendetwas fehlt. Neben zu wenigen Besuchern, die sich um die jeweiligen Stände drängeln, fehlt der Stand oder der Player, für den es sich lohnen würde, 600 km weit anzureisen. Es gibt kein World Of WarCraft, kein StarCraft 2, kein Duke Nukem Forever, dafür gibt es Poisonville. Und es liegt gar nicht an dem Spiel, welches wirklich hervorragend aussieht für ein Browsergame, sondern vielmehr könnte es ein Problem sein, dass eine Online Games Messe einfach nicht interessant ist für Online Games Spieler. Warum, werden sich jetzt viele fragen und dabei liegt es doch eigentlich auf der Hand. Browser oder Free-to-Play Client Games haben doch den großen Vorteil, runtergeladen werden zu können. Der User wird direkt bedient, keinerlei Medienbruch durch die Überwindung in den nächsten PC-Spielehandel zu fahren und dort ein Spiel zu kaufen. So hat man ihn erzogen und so mag man ihn. Den Online Games Spieler. Umerziehung: Schwer. Denn die potenzielle Zielgruppe für die Messe weiß, wie wertvoll Zeit ist und mag den einfachen und schnellen Weg. Nicht zuletzt durch das Einsetzen von Items, um nicht vorhandene Zeit in einem Online Game zu kompensieren.

GCO 2010?

Wenn man die derzeitigen Statements der Messe liest, sieht es ganz danach aus, dass es nächstes Jahr wieder eine Games Convention Online geben wird. Doch die Problematiken werden sich nicht ändern. Vielleicht sollte es Überlegungen geben, die Veranstaltung in eine reine B2B Messe umzuwandeln. Doch zuerst wird man auf Goliath schauen, der vermeintlich gar nicht so stark sein könnte, wie es scheint.

Ein Kommentar zu “Die Games Convention Online - Ein Erfahrungsbericht”

  1. Thomas Bachem

    Bei deiner Bemerkung bzgl. der klagenden Taxifahrer musste ich schmunzeln - dass habe ich ganz genau so erlebt, besonders als die Fahrerin hörte dass ich aus Köln bin ;).

Einen Kommentar schreiben: