Cloud-Gaming-Dienst OnLive gestartet - Preise überraschend hoch
Am 21. Juni ging der Cloug-Gaming-Dienst OnLive in den USA an den Start. GameBizz berichtete bereits über das Unternehmen und das Konzept. Doch so recht durchstarten will das neue Konzept noch nicht. Denn die Kunden sind ob der Nutzerbedingungen und der Preise für Spiele der Meinung, nicht fair behandelt zu werden. Bei Cloud Gaming werden die Spiele über Server direkt an den Nutzer gestreamt, egal, an welchem Gerät er spielt. Ob PC, Notebook oder über eine spezielle Settop-Box am Fernseher: Die Games sollen hardwareunabhängig flüssig laufen - vorausgesetzt, es besteht eine schnelle Internetverbindung und die Entfernung zur Serverfarm beträgt maximal 1600 km. Das System klang revolutionär, doch schon jetzt macht sich Frust unter den Spielern breit.
Für aktuelle Spiele verlangt OnLive zwischen 50 und 60 Dollar, was gegenüber dem Kauf eines Retail-Produkts keinerlei Ersparnis bedeutet - teilweise liegen die Preise sogar über dem, was im Handel verlangt wird: Während etwa Ubisofts neues Actiongame Splinter Cell: Conviction für rund 50 Dollar inkl. Datenträger, Handbuch und Packung im Laden liegt, verlangt OnLive für die gestreamte Version 60 Dollar. Und dabei können die Käufer das Spiel nicht einmal so lange “behalten”, wie sie wollen. Die “Leihzeit” der Spiele läuft derzeit nur bis zum 17. Juni 2013. Was danach geschieht und ob die Käufer sich das Game dann evtl. noch einmal “kaufen” müssen, um weiterspielen zu können oder ob die Lizenz einfach verlängert wird, ist ungewiss. Zusätzlich müssen OnLive-Kunden noch eine Mitgliedsgebühr von monatlich $ 4,95 bezahlen - immerhin deutlich weniger als die bis vor kurzem geplanten $ 14,95.
In den Nutzerbedingungen werden die Kunden weiterhin darauf hingewiesen, dass sich das Unternehmen das Recht vorbehält, einen nicht benutzten und damit nicht mehr bezahlten Account nach 12 Monat zu löschen. Dabei werden auch alle gekauften Spiele und alle erspielten Achievements mit gelöscht. Kauft man sich also nicht jeden Monat mindestens ein neues Spiel, steigen die Kosten für die wenigen Games, die man sich gönnt aufgrund der Monatgebühren weiter. Wer momentan auch einfach nur mal in den Dienst schnuppern möchte, schaut in die Röhre. Denn OnLive beantwortet wohl zur Zeit keine Neuanfragen.
Bei OnLive handelt es sich um einen Pionier, der mit Kinderkrankheiten in einem neuen Marktsegment zu kämpfen hat. Trotzdem muss vor allem die Preispolitik noch einmal überdacht werden. Denn viele Gamer werden es sich zweimal überlegen, für ein Spiel mehr als im Handel zu bezahlen, es nur zeitlich begrenzt nutzen zu können und der Gefahr ausgesetzt zu sein, durch einen inaktiven Account alle gekauften Games zu verlieren. OnLive soll auch in Europa an den Start gehen. Ein Termin, wann dies der Fall sein wird, soll noch in diesem Jahr bekannt gegeben werden.

am 25. June 2010 um 14:32 Uhr.
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